Freitag, 13. September 2013

Unter die Räder (2)



Später fiel mir dann auch auf, daß das alles ziemlicher kitschiger und kindischer Mist war. Ich beschloß, kein Selbstmörder mehr sein zu wollen. Sollten sich die anderen dann eben weiter nicht vergiften und nicht aus dem 12. Stock springen.


Eine eigenartige Lücke war Unterm Rad, obwohl das Sujet mir eigentlich hätte zusagen müssen. Ein intelligenter und sensibler Knabe (ich! Ich! ICH!) zerbricht an der ignoranten Umgebung. Aber das Hessezeitalter war dann schließlich auch vorbei. Kafka blieb übrig und die Welt weiter unverständlich.


In diesen Tagen habe ich es dann gelesen. Es ist eher ein Kleinroman, mit knapp über 160 Seiten. Hans Giebenrath wächst im Schwarzwald auf, kommt in die Klosterschule Maulbronn und dort nicht klar, kehrt zurück, tauscht mit Emma ein paar Küßchen aus und beginnt eine Mechanikerlehre. Mit einigen Gesellen geht er trinken und ertrinkt auf dem Rückweg im Fluß. Nicht klar wird, ob es Selbstmord war oder er einfach besoffen war.


1983 gedruckt, 2013 bei ZVAB bestellt, 2013 gelesen: So geht Rad heute


 

Nun ja. Das Buch umgeht zwar den (wohl späteren Schaffensphasen zugehörigen) Hesse-Kitsch, aber es ist irgendwie unentschlossen. Dem Hans Giebenrath geht es eigentlich auch gar nicht so schlecht. Die Klosterschule Maulbronn ist zwar kein Ponyhof, aber auch nicht so arg. Kraß allerdings dort der Lehrplan: Latein, Altgriechisch, Hebräisch, Mathematik, Religion. Von Sozialkunde und der Friedens-AG hatten die dort noch nie gehört. Der ganze Roman ist unentschlossen. Die Personen sind typisierend, aber niemand ist richtig böse oder richtig gut. Alles ist dazwischen und in normaler Zimmertemperatur. 


Unterm Rad ist nicht besonders gut gealtert. Wem es einmal gut gefallen hat, der möge es im Bücherschrank stehen lassen.

Donnerstag, 12. September 2013

Unter die Räder (1)



Ein Freund schrieb vor einiger Zeit, Unterm Rad von Hermann Hesse hätte ihn wieder sofort sehr beeindruckt. Es ist eigentlich seltsam, daß ich es nie gelesen hatte. Seltsam deshalb, weil ich den Steppenwolf mehrfach, Siddharta ebenso, bestimmt auch Demian, Narziß und Goldmund, die Morgenlandfahrt und selbst Das Glasperlenspiel als Sechzehn- oder Siebzehnjähriger gelesen habe. Es war das Alter, in dem ich kopfüber in die Weltliteratur hineinsprang. Einiges davon blieb mir unverständich (Joyce), anderes war etwas unangenehm (Grass) oder einfach nur bewundernswert (Th. Mann). Besondere Neigung  aber faßte ich damals zu Hesse und Kafka. Dieser bezeugte die Unverständlichkeit und Verschlossenheit der Welt, so wie ich die Welt unverständlich und verschlossen fand. Hesse tröstete mich anschließend damit, es sei das Wichtigste, mich selbst zu erkennen. Denn würde ich mich selbst finden, könnte ich alles erreichen. Die Hessehelden hätten es also geschafft, durch ihre Innerlichkeit selbst in einer kalten Kafkawelt zur Wahrheit und zum Licht zu gelangen, während Kafkahelden selbst eine sonnige Hessewelt völlig rätselhaft und unzugänglich gefunden hätten. Der Steppenwolf hätte nach einer Woche im Schloß beim Tee gesessen, Josef K. hingegen noch monatelang ratlos Steinchen in Siddarthas Ganges geworfen. Es ist ja oftmals, die Probleme, die in Buch 1 auftauchen, von einer Figur aus Buch 2 lösen zu lassen. Old Shatterhand hätte diesen ganzen Ärger mit den Buddenbrooks gewiß rasch gelöst.

Die Geschichte von Emil Sinclairs Jugend

Das Milieu Anfang der Achtziger Jahre war für Hesse deutlich geeigneter. Es war eine Idee der Zeit, sich selbst zu finden, nicht weil man sich verloren hätte, sondern weil man noch nie mit sich übereingestimmt hatte, was das auch immer bedeutete. Kafkas Unverständlichkeit der Welt paßte da viel weniger hinein – nein, wenn man irgendwas genau verstanden hatte, dann war es diese Welt und die große Gefahr, in der sie sich gerade befand, weil Pershing 2-Raketen in Deutschland stationiert würden. Kafkas Nichtverstehen wurde sogar in die Psychologie abgedrängt – die Welt ist abweisend, weil es die verdrängte Welt im eigenen Kopf ist. Und auch daraus wäre ein Ausweg das Hessesche Sichselbsterkennen. Den Reigen zusammen mit seinem neuen Selbst tanzen. Aber man tut Hesse natürlich unrecht, wenn man ihn auf Kleiner-Prinz-Ausmaße zurechtstutzt. Auch dort gab es wohlige Abgründe. Ganz besonders beim Steppenwolf: 

 „Ein anderes war, daß er zu den Selbstmördern gehörte. Hier muß gesagt werden, daß es falsch ist, wenn man nur jene Menschen Selbstmörder nennt, welche sich wirklich umbringen.“

Großartig. Man konnte Selbstmörder sein, aber trotzdem weiterleben. Selbstmörder, ohne dass es weh tut. Selbstmörder, ohne dass man nachher tot ist. Selbstmörder, aber trotzdem Currywurst doppelt Pommes essen. Das war ein super Konzept, das mir sofort einleuchtete. Ich konnte mein Selbstmördersein noch eine Weile lebendig genießen. 

„Aber dem Selbstmörder ist es eigentümlich, daß er sein Ich, einerlei, ob mit Recht oder Unrecht, als einen besonders gefährlichen, zweifelhaften und gefährdeten Keim der Natur empfindet, daß er sich stets außerordentlich exponiert und gefährdet vorkommt, so, als stünde er auf allerschmalster Felsenspitze, wo ein kleiner Stoß von außen oder eine winzige Schwäche von innen genügt, um ihn ins Leere fallen zu lassen.“

Ja, so war es doch auch! Das alles war total richtig. Allerschmalste Felsenspitze! Nicht genug, dass ich jetzt selbst Selbstmörder wurde, sondern ich verlieh das Buch auch an alle wichtigsten Freunde. Einige wurden genau so euphorisch, und einige Monate lang waren wir Selbstmörder ohne Bahngleise, ohne Strick, ohne Pistole oder Rasierklinge, aber gefährlich, zweifelhaft und gefährdet. In der Zwischenzeit las ich den restlichen Hesse. Aber niemals Unterm Rad.

Dienstag, 16. November 2010

Die weißen Tauben sind müde

1. Im November 1980 wurde der „Krefelder Appell“ veröffentlicht, der als Gründungsdokument der Neuen Friedensbewegung gilt. Die Hauptforderung des Appells, der in den nächsten Jahren millionenfach unterschrieben wurde, war der Verzicht auf die Stationierung von Pershing II und Cruise Missiles, die gemäß Nato-Doppelbeschluß 1983 stationiert werden sollten. Man hatte also drei Jahre Zeit zum Dagegensein. Dreißig Jahre später erscheint das alles etwas angestaubt und komisch. Unglaublich aber, wie selbstgewiß die Friedensbewegung damals auftrat. Ein Einverständnis mit ihren Zielen versprach moralische Überlegenheit, das Dagegensein war sozusagen kriminell und faschistisch. Frieden schaffen ohne Waffen, das war in den Schulen und Universitäten Anfang der 80er Jahre der Mainstream.

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Haben viel zu schwere Flügel und ihre Schnäbel sind längst leer



2. Die prä-digitale Kopierer- und Ausschneide-Ästhetik der Flugblätter und Schriften ist heute allenfalls seltsam. Ebenso die appellative Grundhaltung aller dieser Schriften: man muß dagegen sein, protestieren, sich wehren, aufstehen etc. Es wurde gegangen, gelaufen, gekocht, gebacken, geschwiegen, gepfiffen und so weiter für den Frieden. Vor allem auch ostermarschiert. Es schien fast greifbar, an eine Umwidmung von Ostern zu denken, vom Auferstehungsfest zum Friedensfest, wobei für viele christlich gefärbte Bewegte das auch das gleiche war. Und für den Frieden war auch immer gegen Schmidt, gegen Kohl und vor allem gegen Reagan. Nachrüstung, Doppelbeschluss, Nulllösung wurden allgemein geläufige Begriffe, die heute allenfalls nostalgisch schimmern, ohne dass man genau wüßte, was eigentlich dahintersteckte. Bemerkenswert war auch, wie sehr sich die Friedensbewegung ausschließlich auf den Nachrüstungsbeschluß kaprizierte: gewiß war man gegen alle Atomwaffen im Allgemeinen, aber man kämpfte lieber gegen die Mittelstreckenraketen im Speziellen, als erreichbares Ziel. Allerdings auch als Ziel, das verfehlt werden konnte.

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Frau in langem Rock tritt gegen eine Bombe


3. Im November 1982 enterte ein ganz seltsames Lied die deutschen Hitparaden. Hans Hartz sang „Die weißen Tauben sind müde“. Hartz war weder Mitglied der Friedensbewegung noch der Neuen Deutschen Welle, sondern war irgendwie dazwischen, trat auch in der ZDF-Hitparade an und erinnert mich bis heute vor allem an Klaus Lage (mal sehr neutral formuliert). In den müden weißen Tauben textete er allerdings sehr prophetisch, obwohl diese Zeilen gewiß anders gemeint sind:

Die weißen Tauben sind müde, sie fliegen lange schon nicht mehr. /
Sie haben viel zu schwere Flügel; und ihre Schnäbel sind längst leer, /
jedoch die Falken fliegen weiter, sie sind so stark wie nie vorher; /
und ihre Flügel werden breiter, und täglich kommen immer mehr, /
nur weiße Tauben fliegen nicht mehr.

Das hat sich alles auf eine merkwürdig verdrehte Weise als richtig herausgestellt. Im Jahr 1981, als das Lied ursprünglich entstand, konnte das Hans Hartz allerdings nicht wissen.

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Weiß, mit Flügeln, aber keine Taube


4. Dann war es im November 1983 vorbei: die Kohl-Regierung beschloß endgültig, dass die Raketen aufgestellt werden. Es gab natürlich noch erhebliche Proteste, Demonstrationen, Ostermärsche etc., aber die Luft war tatsächlich jetzt heraus, so ähnlich wie bei der Neuen Deutschen Welle. Es gibt heute eine weitere Neigung, die Geschehnisse zu verklären: gerade durch die Stationierung wurde die UdSSR gezwungen, weiter in den Rüstungswettlauf einzusteigen, damit war sie ruiniert, und Gorbatschow hat sie dann abgewickelt usw. usw. Aber: war das wirklich so?

5. Das wichtigste Ereignis für den Beginn der Abrüstung und das Ende des Kalten Kriegs hatte schon längst stattgefunden, ohne dass es jemand bemerkt hätte. Es war das Jahr 1974, und Grigori Wassiljewitsch Romanow, Erster Sekretär des Gebietskomitees von Leningrad und Mitglied des ZK der KPdSU, ließ die Hochzeit seiner Tochter feiern. Nicht nur, dass er zur Hochzeitsfeier in der Eremitage auftischte, sondern er ließ auch das Porzellan der Zarin Katharina II. eindecken. Offenbar war es eine laute und fröhliche Hochzeit, denn es ging einiges zu Bruch. Aber das war zunächst nicht schlimm. Romanow machte weiter Karriere und Anfang der Achtziger galt der extrem konservative und betonköpfige Politiker als erster Anwärter auf den Posten des Generalsekretärs. Bis ein gewisser Herr Gorbatschow begann, gezielt Gerüchte über die Hochzeitsfeier zu streuen. Eremitage, die Zarin, das zerstörte Porzellan und dann noch der unglückliche Nachname Romanow – das war alles etwas zu viel. Und 1985 mußte er sogar aus dem ZK zurücktreten. Hätte es nicht diese Feier gegeben, wäre er wahrscheinlich Generalsekretär geworden. Er wurde übrigens steinalt und ist erst 2008 mit 85 Jahren gestorben. Also kurz vor der 60-Jahr-Feier der DDR.

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Das Porzellan, das den Kalten Krieg entschied


6. Und damit ist die Geschichte ganz anders verlaufen, als man das sich damals so gedacht hat. Immerhin ist dabei nur ein bißchen Porzellan kaputt gegangen. Besser als gleich die ganze Welt.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Die Ordnung der gelesenen Dinge


1. Im Hugendubel Kurfürstendamm ist seit einiger Zeit der dritte Stock fast leer. Sie haben nur den Service sowie Film und Kunst dort belassen und den Rest in den zweiten und ersten Stock verräumt; das Erdgeschoß ist wie immer bei Hugendubel dem Ramsch vorbehalten. Für eine Buchhandlung, deren Angestellten stets nur beauskunften, wo dieses oder jenes Buch stehen müßte, wenn es denn eventuell da wäre, fände ich eine derartige Optimierung bemerkenswert - also wenn das Management herausgefunden hätte, dass Drittstockbücher (Verwaltungsverfahrensgesetz, Evangelisches Gesangbuch, Technische Physik für Elektroingenieure) nicht so gut gehen und deshalb das menschliche Wissen zukünftig nur bis zum zweiten Stockwerk reicht. Wahrscheinlicher ist allerdings die Vermutung, das Gesamtsortiment gestrafft wurde, ein halber Meter Lyrik weniger, die Manesses zweireihig, die Philosophie ein wenig auskämmen, und schon paßt der Zweistöcker.
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Der Babywickelraum befindet sich im 2. Obergeschoss























2. Es gibt einige Institutionen der Universalität, die die bis zu einem bestimmten Grad, ihrer jeweiligen Reichweite, die Welt als Ganzes beschreiben und nicht nur einen engen und beschnittenen Ausschnitt. Dazu zählen etwa das Lexikon, das Branchentelefonbuch, das Kaufhaus und auf eine ganz eigenartige Weise auch der Buchladen. In ihm sind nicht die Dinge selbst vorhanden (wie im Kaufhaus), nicht die mit den Dingen beschäftigen Firmen (Branchenbuch), sondern mit all seinen Büchern die Beschreibungen der Dinge. Ein Buchladen ist ein begehbares Lexikon, doch jeder Artikel ist wieder ein eigenes Buch. Deshalb ist es besonders interessant, wie ein Buchladen sortiert ist – im Gegensatz zur Bibliothek wird seine Ordnung nicht durch einen überkommenen bibliographischen Kanon bestimmt, sondern danach, was verkauft wird. Eine Buchhandlung enthält damit nicht nur die Beschreibungen der Welt, sondern auch ihre Ordnung. 




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Das "Lexikon des Unwissens" finden Sie unter "Wissen"

























3. Zumindest die Ordnung der Leser und des Gelesenen, und das durchaus mit Variationsmöglichkeiten. Die Buchhandlung Marga Schoeller in der Berliner Knesebeckstraße sortiert ihre Belletristik nach „Aus dem Russischen“, „Aus dem Englischen“ etc. Das ist ein kleines Kompliment an den Kunden, der natürlich weiß, in welcher Sprache sein Nabokov geschrieben hat. Die größte und augenfälligste Unterscheidung in jeder Buchhandlung jedoch liegt zwischen Belletristik und Sachbuch, zwischem dem Erfundenen und Vorhandenen, eine für uns selbstverständliche wie doch bemerkenswerte Unterscheidung. In der erwachsenen Belletristik finden wir dann folgende Abteilungen, die ich einfach mal nur aufzähle, ohne daran herumzudeuten:


a. Das Verbotene und das Verbrechen (Krimi)
b. Das in der Zukunft vielleicht Mögliche (Science Fiction)
c. Das in der Vergangenheit vielleicht möglich Gewesene, für Frauen (Historische Romane)
d. Das bestimmt Unmögliche, und mit seltsamen Wesen und Vampiren (Fantasy)
e. Bücher von Stephen King und seinen Freunden (Horror)
f. Das Gereimte (Lyrik)
g. Alles andere, also ungereimt heute Mögliches ohne zu viel Verbrecherisches (Romane)

4. Die Konjunkturen und Moden der Belletristik (Manga, Vampire etc.) finden sich auch bei den Sachbüchern, denen eigentümlich ist, noch wesentlich tiefer und genauer gegliedert zu werden. So scheint jede Geheimlehre und jeder Hokuspokus, den sich die Elben, Elfen, Hexen, Kobolde und der Fantasyabteilung jemals ausgedacht haben, in der Esoterikabteilung ein eigenes kleines Fach zu haben. Die kräuterfreie, aber testosterongesättigte Esoterik der Managementliteratur steht zur besseren Unterscheidung in der entgegengesetzten Ecke. Dazwischen, in der populären Psychologie, findet man die Ratgeber entlang des Lebenslaufes, während der Schwangerschaft, bei der Geburt unter und über Wasser, bei der aufmerksamkeitsdefizitiären Kindheit, der Partnerwahl, beim Glück mit ihm und ihr oder Unglück ohne ihn und ohne sie, vom ersten grauen Haar bis zur Feuerbestattung. Dahinter, daneben, davor alles, was man sich von der Astrophysik, dem Trennkost, derm Verwaltungsverfahrensgesetz, der organischen Chemie, der Fahrradreparatur jemals zu wissen wünschen könnte, alles in einer geheimen und doch offenbaren Ordnung.


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Gedächtnisbild. Links: Turm zu Babel (im Bau)









 










5. Das alles paßt beim Hugendubel mittlerweile auf die ersten beiden Stockwerke. Und vom dritten Stock aus, zwischen den Kunstbüchern, die auf den Regalen stehen wie die stillen, schönen Schwestern früherer Freunde, da hat man einen ganz ausgezeichneten Blick auf die Gedächtniskirche.





Freitag, 16. April 2010

Ich wär so gern in Dahala Khagrabari

Kürzlich las ich über Enklaven, oder Exklaven, was das gleiche ist, nur andersherum gesehen, und stieß auf den den interessanten Komplex der indisch-bangladeschischen Exklaven. Es heißt tatsächlich „bangladeschisch“, obwohl das blöd klingt und „bangladeschoid“ oder „bangladeschesk“ schicker gewesen wären. Wie auch immer, der gesamte Komplex an östlichen Grenze Indiens besteht aus 102 indischen Enklaven in Bangladesch und 71 bangladeschischen Enklaven in Indien. Innerhalb der indischen Enklaven gibt allerdings wiederum 21 bangladeschische Unterenklaven, also Enklaven in Enklaven. Und, das ist einmalig auf der Welt, es gibt dort eine indische Unterunterenklave, die einzige Enklave dritter Ordung auf der Welt, ein 7000qm großes Jutefeld namens Dahala Khagrabari. Nochmal zum Mitschreiben: Dahala Khagrabari ist eine indische Enklave, welche in einer bangladeschischen Enklave liegt, welche in einer indischen Enklave liegt, welche in Bangladesch liegt. Und das, liebe Inder, liebe Bangladeschianer (?), muss Euch erstmal einer nachmachen.